Rezension zu „Die Frau von früher“ von Liane Moriarty

Klappentext:
Ellen und Patrick haben sich gesucht und gefunden. Ihr verliebtes Glück ist für alle eine Freude. Außer für Saskia, seine Ex-Freundin. Sie möchte Patrick um jeden Preis zurückgewinnen und stalkt ihn seit Jahren. Lange Zeit kann Patrick sein Geheimnis für sich behalten, doch dann vertraut er sich Ellen endlich an. Die bleibt gelassen. Als Therapeutin ist sie vor allem interessiert an den Beweggründen der jungen Frau und würde sie gern treffen. Was Ellen nicht weiß: Sie hat längst schon deren Bekanntschaft gemacht. Fast zu spät wird ihr die wahre Tragweite von Saskias Obsession klar … Dieser Roman erschien zuvor unter dem Titel »Alles aus Liebe«.

Über die Autorin:
Temporeich, abgründig und voller Humor: Liane Moriarty wurde 1966 in Sydney geboren. Mit international erfolgreichen Bestseller-Romanen und Kinderbüchern erwarb sie weltweite Aufmerksamkeit. Bereits als Kind war sie nach eigenen Angaben eine Leseratte und fasziniert vom Schreiben. Für ihren allerersten Roman bot ihr Vater ihr einen Vorschuss von 1 Dollar. Nur für den väterlichen Mentor schrieb sie daraufhin ein drei Bände umspannendes Epos. Bevor sie tatsächlich als Schriftstellerin durchstartete, arbeitete Moriarty jedoch als Werbetexterin. 

Erst als ihre Schwester Jaclyn einen Roman veröffentlichte, packte auch sie der schriftstellerische Ehrgeiz. Wie im Rausch schrieb Liane Moriarty ihr erstes Kinderbuch, das in Australien ein großer Erfolg wurde. Für den Debütroman „Three Wishes“ (2004; deutsch: „Drei Wünsche frei“, 2005) erhielt sie den Fred Rush Convocation Prize. Viele ihrer Bücher, wie die abgründige und messerscharfe Gesellschaftssatire „Big Little Lies” (2015; deutsch: „Tausend kleine Lügen“, 2017) standen über Wochen auf den internationalen Bestsellerlisten. Auch in der filmischen Umsetzung als HBO-Miniserie mit Nicole Kidman und Reese Witherspoon in den Hauptrollen wurde „Big Little Lies“ international gefeiert.


Rezension:
Wer meinen Blog schon länger verfolgt, weiß: Liane Moriarty gehört zu meinen liebsten Autoren im Bereich der Spannungsromane. „Neun Fremde“ war damals mein erstes Buch von ihr – und das gefiel mir so gut, dass ich auch ihre anderen Bücher lesen möchte. Nachdem ich vor kurzem „Eine perfekte Familie“ gelesen habe, ging es nun also mit „Die Frau von früher“ weiter. Das Buch ist bereits 2012 unter dem Titel „Alles aus Liebe“ erschienen und wurde nun neu aufgelegt.

Die Covergestaltung gefällt mir wieder sehr gut und ich habe von Anfang an eine bestimmte Bedeutung hinter dem gewählten Motiv vermutet. Der geflochtene Zopf, aus drei verschiedenen Strängen, stellt für mich eine interessante Symbolik da – die durch den Titel unterstrichen wird.

Inhaltlich geht es um Ellen und Patrick. Die beiden sind ein glückliches Paar und strahlen auch nach außen pure Liebe und Harmonie aus. Sie führen offensichtlich eine ausgeglichene, liebevolle Partnerschaft und ihr Glück scheint perfekt. Doch die Sache hat einen Haken: Patricks Ex-Freundin Saskia. Sie ist über die Trennung auch nach Jahren nicht hinweg und fest entschlossen, ihn zurückzugewinnen. Immer wieder stalkt sie ihn und lässt nicht los. Zunächst bekommt Ellen davon nichts mit, doch mit der Zeit kann Patrick dieses Geheimnis nicht mehr für sich behalten und beschließt, seine Freundin einzuweihen. Für Ellen ist diese Information erstmal nichts großes – sie arbeitet als Hypnose-Therapeutin und geht professionell mit der Situation um. Saskias Verhalten fasziniert sie, ebenso wie die Frage, warum sie immer noch so an Patrick hängt. Ellen entwickelt ihrerseits ein reges Interesse an Saskias Verhalten, sodass sie sie am liebsten kennenlernen möchte. Erst als es schon zu spät ist, erkennt Ellen, in welcher Situation sie sich befindet. Sie kennt Saskia längst und die Situation ist nicht so einfach, wie sie gedacht hat.

Nachdem der Klappentext schon viel über das Setting und die Geschichte verrät, war ich sehr gespannt darauf, welche Überraschungen mich beim Lesen erwarten und was es mit Saskia auf sich hat. Zu Beginn der Geschichte lernen wir die drei Hauptcharaktere näher kennen und erhalten Einblicke in ihre Vergangenheit. Patrick war, vor der Beziehung zu Saskia, schon einmal verheiratet. Seine damalige Frau, Coleen, ist kurz nach der Geburt ihres Kindes verstorben, anschließend die gescheiterte Beziehung zu Saskia – kein einfaches Schicksal. Ellen geht mit der Situation zuerst sehr locker um und zeigt aufgrund ihres Berufes viel Interesse an dem Stalkingverhalten. Aus diesem Grund war Ellen für mich gleich komisch, ich konnte keinen Zugang zu ihr finden. Dieses übertriebene Interesse erschien mit absolut unprofessionell und wenig reflektiert. Gerade weil es sich bei dem Betroffenen nicht um irgendjemanden handelt, sondern um ihren geliebten Freund, war ihr Vorgehen surreal. Zu ihr konnte ich somit leider keinen richtigen Draht aufbauen. Erst nach einiger Zeit merkt sie dann, was wirklich gespielt wird. Da dachte ich mir schon: Oh man, das hätte anders laufen können.

Gut gefallen haben mir dagegen die verschiedenen Sichtweisen und Perspektiven, die der Geschichte Tiefgang und Schärfe verleihen. Saskias Strang lesen wir aus der Ich-Perspektive, Ellen und Patrick werden in der dritten Person betrachtet. Für mich wurde dadurch nochmal verstärkt, dass ich mit Ellen nicht richtig warm geworden bin – zu Saskia hatte ich mehr Zugang. Ihre Gedanken und Gefühle wurden so gut dargestellt, dass ich es total spannen fand, immer mehr zu erfahren und weiter zu lesen.

Im Verlauf der Geschichte gibt es schließlich eine Wendung, die mich doch noch etwas mit Ellen versöhnen konnte. Ab diesem Punkt hatte ich mehr Zugang zu ihr und konnte sie besser verstehen. Zwischendurch gab es aber einige Längen – hier hätte man einiges kürzen können – 576 Seiten hätten es für mein Empfinden nicht sein müssen. Das Ende wird dann nochmal richtig spannend und konnte mich total begeistern. Die Auflösung war für mich genau das, was ich erhofft hatte und hat nochmal alles abgerundet.

Insgesamt ist „Die Frau von früher“ für mich ein gelungener Roman mit einem spannenden Plot – die Ausgestaltung könnte noch etwas abgeschliffener sein.

– Meine Bewertung: 3,5 von 5 Sternen –


Cover:

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